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  • 06.08.2008: "Wo ist Antonio Scandella?"

    ein Artikel von der Neue Oltner Zeitung


    Der Trainer des FC Egerkingen ist spurlos verschwunden – und niemand weiss etwas

    Keiner weiss oder sagt, wo Scandella ist. Nicht einmal Sherlock Holmes hat eine Spur. Als Fussballtrainer An­tonio Scandella beim FC Egerkingen nicht mehr zum Training erschien, fragte sich die ganze Region, was wohl passiert sein möge.
    Es gibt in unseren Gefilden kei­nen akribischeren und besesse­neren Fussballtrainer als Anto­nio Scandella (45), darüber sind sich die Fussballexperten einig. So einer würde seine Mannschaft nie im Stich lassen. Hat er aber doch: Kurz vor dem Start zur neuen Saison stand der FC Egerkingen näm­lich ohne seinen Trainer da und der Wolfwiler Scandella ist seit­her nicht mehr aufgetaucht. Auch bei seinem Arbeitgeber, ein Treu­handbüro in Solothurn, weiss man nicht, wo sich der Fussballtrainer aufhält. «Er ist einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen», gibt man sich bedeckt. «Ich gehe mal für zwei Tage ins Tessin», soll er gesagt haben, bevor er von der Bildfläche verschwand. Warum hat er das ge­tan? Was ist mit Antonio Scandella passiert?

    Genervter Vize-Präsident
    Immerhin kehrt beim FC Egerkingen, wo Scandella vor einem Jahr anheuerte, nun wieder Ruhe ein. «Wir haben seit Bilder: z.V.g zehn Tagen einen neuen Vorstand und waren schon siebenmal in den Medien. Das kann es ja nicht sein», sagt Vize-Präsident Kilian Portmann genervt. Der Verein prä­sentierte letzte Woche die Nach­folger Scandellas. Ein Trainer-Duo mit André Misteli und Markus Es­ser, beides Härkinger, soll es rich­ten. «Wir wissen nicht, was mit Scandella passiert ist. Die Mann­schaft soll sich jetzt lieber auf das Sportliche konzentrieren», sagt Ki­lian Portmann.

    Erfolgreich in Gunzwil
    Joseph «Seppi» Fries ist der Wirt im «Ochsen» in Beromünster. Im Jahr 1996 war er Präsident des FC Gunzwil und engagierte den da­mals unbekannten Antonio Scan­della für seine 2. Mannschaft in der 4. Liga. Scandella sollte für Seppi Fries ein Glückgriff werden, denn der Wolfwiler wurde mit Gunzwil Meister, stieg in die 3. Liga auf und sicherte sich auf Anhieb Rang 2. Eine Meisterleistung. «Antonio Scandella hat bei uns ganz toll ge­arbeitet », schwärmt Seppi Fries noch heute, zwölf Jahre später. Als Trainer erstmals ins Wanken kam der Wolfwiler einige Jahre später bei seinem Engagement bei Juven­tus Dulliken. «Wir waren damals in der 3. Liga, seinetwegen ist der Verein fast kaputt gegangen. Zu Scandella gebe ich keinen weiteren Kommentar», sagt Pietro Covella, der damals schon im Vorstand der «Juve» sass. Es mag vielleicht da­mit zusammenhängen, dass Scan­della vor dem Vorstand mit seinem A-Diplom prahlte, welches er gar nicht besass. Seither war für den Fussballfanatiker nichts mehr so, wie es einmal war.

    Der Erfolg blieb aus
    Erfolglose Engagements folgten: Beim HSV Halten musste Scandella vorzeitig gehen, die Mannschaft se­gelte eine Liga tiefer. Dann war zu lesen, dass Scandella technischer Leiter beim FC Wolfwil werde. Im letzten Moment sprang er ab und wurde Trainer bei Superga Gerla­fingen. Obwohl die Mannschaft in der Tabelle ganz gut platziert war, verzichtete man zur Rückrunde auf die Dienste Scandellas. Wa­rum, will niemand so recht heraus­rücken. «Ich hatte berufliche und familiäre Probleme», sagte Scan­della damals. Er nahm sich eine Auszeit und kehrte nicht mehr auf die Trainerbank zurück. Superga wurde Meister.

    Mann ohne Schlaf
    Bekannt wurde der Wolfwiler auch durch seine Homepage www.an­tonio-scandella.ch, auf der er ein Tippspiel für regionale Fussballfans anbot. Zwischenzeitlich machten bis zu 80 Spieler mit. Sämtliche Matchberichte seiner trainierten Mannschaften konnte man auf die­ser Homepage nachlesen und be­sonders abenteuerlich war sein fussballerischer Lebenslauf. Dem­nach beendete ein Autounfall zwi­schen Fulenbach und Härkingen seine hoffnungsvolle Karriere mit 24 Jahren. Höhepunkt soll sein entscheidendes Tor gewesen sein, welches er für den FC Klus/Balsthal vor 1000 Zuschauern schoss, wel­ches dem Verein den Aufstieg in die 1. Liga bescherte. «Stimmt al­les nicht», heisst es bei der Bals­thaler Fussballbevölkerung. «Der Scandella hat den Bezug zur Rea­lität verloren», meinen andere. Toni, der Fernsehstar: In einer TV­Serie über Schlafstörungen war er vor einigen Jahren im Fernse­hen zu sehen und unlängst enga­gierte in der Verein Solodaris für ein Referat im Oltner Stadtthea­ter. Thema: «Stress lass nach». An­gekündigt war Scandella als Mann ohne Schlaf. «Sein Referat war pro­fessionell », sagen die Veranstalter.

    Sich für Egerkingen entschieden
    «Ich hatte 13 Angebote», prahlte Antonio Scandella in einer Zeitung am 9. August 2007. Entschieden hat er sich für den FC Egerkingen, wo er dasselbe Kunststück vollbrin­gen wollte, wie einst mit dem FC Gunzwil. Nämlich von der 4. Liga hinauf in die 3. und dann gleich nochmals «Rambazamba» ma­chen. Die Mannschaft rettete sich knapp vor dem Abstieg. Und jetzt ist Scandella nicht mehr da. «Bei uns liegt keine Vermisstenmeldung vor», heisst es bei der Solothurner Kantonspolizei. «Antonio Scan­della wohnt nicht mehr in Biberist, sondern in Attiswil. Sie müssen bei der Berner Kantonspolizei nachfra­gen. » «Ich kann Ihnen nichts be­stätigen », heisst es dort. «Mir sind die Hände aus Gründen des Daten­schutzes gebunden.» Gemäss Aus­kunft werden tagtäglich (oft vor­übergehend) Menschen vermisst. Viele Meldungen gelangen da­her gar nicht an die Öffentlich­keit. Warum verschwand Antonio Scandella? Der Fussballfanatiker, für den der Fussball stets an ers­ter Stelle kam (noch vor der Fami­lie), ist keiner, der einfach nicht mehr zum Training erscheint. Man ist sich da einig.

    «Eine Sauerei!»
    «Einer wie Scandella, so ein Fuss­ballverrückter, lässt seine Mann­schaft nie im Stich, ich begreife das nicht», sagt ein Freund des Wolf­wilers. Der Hauswart im Attiswi­ler Mehrfamilienhaus, wo Scan­della zuletzt wohnte, öffnete kürz­lich einem Fernsehteam Scandel­las Wohnung und zeigte Ordner mit offenen Rechnungen und Be­treibungen. «Eine Sauerei», sagt der Freund. Fredi Köbeli

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